Russlands Geheimoperationen in Lateinamerika

Russlands Geheimoperationen in Lateinamerika

Russland hat sich in den letzten Jahren vermehrt um gute Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika und politischen Einfluss in der Region bemüht. Doch unter der Oberfläche spielen sich ganz andere Geschäfte ab. Mexiko-Korrespondentin Sandra Weiss berichtet über Korruption, Drogengeschäfte und Propaganda.

Der Zeitpunkt, an dem sich Russland für Lateinamerika zu interessieren begann, lässt sich recht genau datieren: 2014. In dem Jahr reiste Präsident Wladimir Putin auf den Subkontinent. Er machte dem ehemaligen sozialistischen Bruderland Kuba, aber auch Argentinien und Brasilien eine Aufwartung. Im gleichen Jahr nahm der spanischsprachige Dienst der offiziellen russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti (heute Sputnik) seine Berichterstattung in Lateinamerika auf, gefolgt vom Propagandasender Russia Today.

Handel mit Waffen, Dünger und Impfstoff

Westliche Medien interpretierten dies vor allem als eine Bemühung um Diversifizierung der geopolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Russland erließ Kuba die – ohnehin kaum einzutreibenden – Schulden und verkaufte der mexikanischen Fluglinie Interjet Passagierflugzeuge. An Nicaragua und Venezuela lieferte es Kampfjets, Helikopter, Raketenabwehrsysteme und Panzer. Es beteiligte sich an der Erdölförderung in Venezuela und Mexiko. Es exportierte Dünger nach Brasilien und Weizen nach Venezuela. Und zuletzt konnte Putin mit der Lieferung von Covid-Impfstoffen in der Region punkten. Doch der Handel mit der Region macht mit einem Volumen von rund drei Milliarden US-Dollar lediglich zwei Prozent des russischen Außenhandels aus, sagte der  Politologe Martin Vladimirow im Podcast der Washington Post.

Unter der Oberfläche bescheidener Wirtschaftsbeziehungen spielten sich ganz andere Geschäfte ab. „Putin hat schon seit langem die Einflusssphäre der USA gezielt untergraben“, schrieb der venezolanische Oppositionelle Carlos Vecchio im “Miami Herald”. „Sein wichtigster Gehilfe bei der Destabilisierung war (Venezuelas Machthaber) Nicolás Maduro. Beide eint Korruption und Kleptokratie.“

Russland will politisch Einfluss gewinnen

Venezuela gilt als Plattform für Desinformationskampagnen. Laut einer Studie der Universität Oxford begann das Land 2010 mit Botfabriken und Trolls, die öffentliche Meinung digital zu manipulieren, und gehört zu den sieben Ländern weltweit, die gezielt Desinformation betreiben – zusammen mit China, Russland, Iran und Saudiarabien. Als 2019 eine Protestwelle Südamerika durchzog, stellte das US-Außenministerium fest, dass in Chile zehn Prozent der Unterstützer der Proteste russischer Herkunft waren. Als im gleichen Jahr in Bolivien der linksnationalistische, Russland wohlgesonnene Präsident Evo Morales in Bedrängnis geriet, entsandte nicht nur die russische Atomfirma Rosatom Berater. Auch erhielt Morales auf Twitter plötzlich pro Tag Unterstützung von bis zu 1.000 Konten, die mit russischen Botfabriken in Zusammenhang gebracht wurden.

Venezuela und Russland sind zudem vereint, um internationale Sanktionen zu umgehen. Die venezolanische staatliche Erdölfirma PDVSA hat eine Geschäftsniederlassung in Moskau, über die Zahlungsverkehr abgewickelt wird. Auch Iran und die Türkei sind Geheimdienstberichten zufolge in venezolanische Dreiecksgeschäfte mit schmutzigem Gold, Waffen und Erdöl verwickelt.

Russisches Schmiergeld für Bergbauprojekt

Am 26. April 2021 landete in Guatemala ein Privatjet aus der Dominikanischen Republik. Dessen Besitzer: der israelisch-kasachische Milliardär Alexander Maschkewitsch. An Bord: eine russische Delegation, entsandt vom Oligarchen Stanislav Kondrachov, Eigentümer einer in der Schweiz registrierten Holding namens Atlantic Bulk Cargo S.A, der wiederum die in Guatemala tätige Bergbaufirma Mayaniquel gehört. Und ein eingerollter Teppich, zusammengehalten durch ein rotes Band, als Gastgeschenk für Präsident Alejandro Giammatei.
Eingewickelt in den Teppich waren Bündel voller Bargeld, wie ein Zeuge der Staatsanwaltschaft mitteilte.

Kurze Zeit später erhielt Mayaniquel eine neue Konzession. Der Staatsanwalt wurde abgesetzt und musste vor einer drohenden Verhaftung ins Exil fliehen. Proteste Indigener gegen den giftigen Abraum einer weiteren russisch-schweizerischen Nickelmine, Solway, ließ Giammatei brutal von der Polizei niederschlagen, nachdem er über die Region den Ausnahmezustand verhängt hatte. Die Ausstattung der Polizei – bis hin zum Mittagessen – wurde von der Mine finanziert, wie Recherchen des Konsortiums „Forbidden Stories“ ergaben.

Drogenschmuggel über russische Botschaft

In Argentinien entdeckte die Polizei im Jahr 2016 in der russischen Botschaft zwölf Koffer voller Kokain. Die argentinische Polizei tauschte das Kokain gegen Mehl und verfolgte die Spur der Bande. Die schmuggelte schließlich 2018 im Diplomatengepäck an Bord eines Fliegers des russischen Sicherheitsdienstes die Koffer nach Moskau. Involviert waren zwei ehemalige Angestellte der Botschaft, ein Verbindungsmann der Polizei in Buenos Aires und drei Komplizen in Moskau, die festgenommen wurden. Argentinische Ermittler und US-amerikanische Antidrogenexperten (DEA) äußerten angesichts der schieren Menge und der schlampigen Ermittlungen russischer Behörden den Verdacht, dass hinter dem geplatzten Deal weitaus höhere Funktionäre steckten.

Bukeles Berater mit Verbindung nach Russland

Jüngster Verbündeter des Kreml in der Region ist El Salvador. Dessen Präsident Nayib Bukele führte voriges Jahr den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel ein – eine Kryptowährung, die dem Weltwährungsfonds zufolge eine Rolle bei Geldwäsche spielt. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte sein Botschafter in Moskau erklärt, Bukele wolle als erster salvadorianischer Staatschef nach Russland reisen.

Es verdichten sich die Hinweise, dass hinter der Einführung des Bitcoin als offizielle Währung in El Salvador Interessensgruppen stecken, die sowohl im rechtslibertären Milieu der USA verankert sind als auch Beziehungen zu Russland unterhalten. Verdacht weckte diesbezüglich der US-amerikanische Bitcoiner Max Keiser, einer der Berater Bukeles, der gleichzeitig regelmäßiger Gast bei Russia Today ist und unlängst eine ganze Reihe – inzwischen gelöschter – Tweets gegen die Ukraine publiziert hatte.

Adveniat: Solidarität mit den Menschen in der Ukraine – weltweit

„Wir sind in unseren Gedanken und unseren Gebeten an der Seite der Menschen in der Ukraine, die ihre Opfer beweinen, in Angst und Schrecken leben, ihr Land verteidigen, vor den Bomben fliehen“, erklärt Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier. Der Angriffskrieg des Putin-Regimes sei durch nichts zu rechtfertigen. –>Hier geht es zur Pressemitteilung vom 7. März 2022

MAININFO.NEWS